Synagoge in Stuttgart

Diesen Post habe ich im Mai 2015 geschrieben, damals noch ohne Kommentarfunktion. Den Post veröfffentliche ich heute beim Guckloch von Susi . Ich finde auch so einen Synagogenbesuch interessant und freue mich, dass ich daran teilnehmen durfte



Zu diesem Post folgt in Kürze ein anderer über die Medien im 3. Reich.
 
Am Donnerstag dem 7. Mai 2015 war ich in Stuttgart zum Besuch der dortigen Synagoge, die sich in der 
Hospitalstraße 36 in Stuttgart-Mitte befindet. Eine Veranstaltung der VHS Ludwigsburg, die nicht nur die Besichtigung der Synagoge, sondern auch ein koscheres Essen beinhaltete.

Gebucht hatte ich das schon gleich im Januar. Nachdem ich in Berlin mir vor Jahren kurz die dortige Synagoge angeschaut hatte, war ich an diesem Besuch sehr interessiert. 



Die neue Synagoge befindet sich genau auf dem Platz, auf dem die 1938 in der Reichprogromnacht zerstörte alte Synagoge stand. Nur zwei Steintafeln, die der Hausmeister nach dem 9. November 1938 unter Lebensgefahr aus der alten Synagoge geborgen hat, erinnern an die alte Synagoge.
Der Architekt der neuen Synagoge Ernst Guggenheimer wurde zur Mithilfe am Zwangsabriss der alten Synagoge nach dem Reichsprognomgesetz verpflichtet. 



Die neue Synagoge wurde 1952 von Ernst Guggenheimer als Architekt gebaut, einer der ersten Synagogenbauten nach der Schoa, ein typischer 50er Jahre Bau. So würde man das heute nicht mehr machen.
Im Gebäude der Synagoge befindet sich das israelitische Gemeindezentrum mit Schule, Kindergarten, Restaurant. Im letzteren haben wir auch koschere Speisen gegessen. 

Ich dachte immer, dass sich das Koschere mehr auf das Fleisch bezieht, aber da gibt es ganz genaue Regeln. 
Fleisch darf nicht mit Milch in Verbindung gebracht werden. Fisch darf nur gegessen werden, wenn er Schuppen hat. Die Früchte von jungen Bäumen dürfen in den ersten drei Jahren nicht gegessen werden. Reis wird durch ein spezielles Verfahren bearbeitet, damit er rein ist. 
Die Kocherei ist schon recht schwierig, obwohl ich denke, wenn man damit aufgewachsen ist, dass man das recht schnell intus hat.

Gegessen habe ich, vegetarisch:
Weinblätter mit Reis und Rote Beete,

Fallaffel  mit verschiedenen Soßen,

Schokoladeneis, das mit Sojamilch zubereitet war, geschmeckt hat es wie Mousse.


Dann habe ich noch Mangosaft aus Israel getrunken.

Foto, 
Der  Toraschrein, er befindet sich in dieser Nische. Eine Wand, die immer nach Jerusalem ausgerichtet ist, also immer in Deutschland nach Südosten.

Alles in allem hat es mir so recht nicht geschmeckt. Es hat etwas gefehlt. Aber wir essen ja auch ganz anders.

Nach dem Essen besichtigten wir die Synagoge. Rabbi P. führte uns durch die Synagoge, die  mit verschiedenen Tafeln aus der Geschichte Israel geschmückt war. 
Schon beeindruckend, wie er den bedruckten Vorhang (er ist meist aus Samt und wird gespendet), die Türen öffnete und es sich uns ein Bild aus Kronen, unter denen sich in Stoff gesteckte Rollen befanden, auftat.

Das war der Toraschrein. 
Am jüdischen Neujahrsfest ist der Vorhang am Toraschrein weiß. 

Vor dem Toraschrein brennt auch ein ewiges Licht und die Kerzenleuchter (Menora) brennen.

Rabbi P nahm eine Rolle heraus, ging mit uns in die Mitte der Synagoge, hier befindet sich eine quadratische große eingezäunte Erhebung - ich kanns jetzt nicht anders schreiben - in der sich ein Pult befindet, auf der aus der Tora gelesen wird. Das ist der Mittelpunkt des Raumes, in der die Tora gelesen wird. Diese Tora (das sind die 5 Bücher Mose)  ist aus Pergament und wird aus einzelnen Blättern zusammengenäht, so dass es ein Rolle gibt. Beschrieben wird die Tora von Hand. Es gibt den Beruf des Toraschreibers (Sofer), die hebräische Schrift wird immer von Hand geschrieben und bis sie geschrieben ist, dauert das. Mehr als fünf Stunden soll ein Sofer  nicht arbeiten, sonst ist es zu anstrengend und er wird unaufmerksam. Dass das alles ohne Fehler geschehen soll, ist wohl selbstverständlich. Eine Tora hält wohl ca. 30 - 40 Jahre.

In der Synagoge hat es Bänke mit Schubladen, in denen sich die Tora in Buchform und die Gebetstücher befinden. Teilweise haben sich jüdische Mitglieder auch Plätze gekauft um diese Dinge dort unterzubringen. Diese Plätze sind mit Namensschildern versehen. 
So und wer hier mehr wissen will, der guckt bei Wikipedia.
Mir hat der Kopf geschwirrt!

Rabbi P. war so nett und hat uns die vielen Fragen, die wir ihm gestellt haben, sehr gut beantwortet.
Ich war platt und ich werde in den nächsten Wochen mal einen Samstagsgottesdienst besuchen, der dauert wohl drei Stunden.

Es ist kein Problem auch hier genügt eine Anmeldung mit einer Kopie eines Personalausweises o.ä.
Ein Unkostenbeitrag von ca. 5 Euro ist auch noch zu begleichen.

Infos gibt es für Baden-Württemberg:

http://www.irgw.de/

Schade, dass die Synagoge keine Orgel und auch keine Kantorei hat. Mich hätte das auch sehr interessiert, da ich gerne Lewandowski höre, der ein großer Kantor in der jüdischen Gemeinde in Berlin war und von dem wir viele Psalmen im Chor singen. 

Etwas mehr über die Synagoge in Stuttgart seht Ihr hier

In diesem Youtube Video sieht man sehr gut vorne den Toraschrein, der mit einem Vorhang verdeckt ist. Hat man das einmal erlebt, sieht man das alles mit ganz anderen Augen.  

Kedusha von Louis Lewandowski dem großen Kantor der Jüdschen Gemeinde in Berlin. Von ihm haben wir in unserem Chor schon sehr viel gesungen. Wunderschön. 








Alles in allem hat diese Führung mit Essen über fünf Stunden gedauert, aber es war total interessant. Ich würde es gleich nochmals machen.

Und ich war am Donnerstag früher in Stuttgart und habe mir auf dem Schloßplatz noch den Israeltag angeschaut. Es war eine Veranstaltung zum 67. Unabhängigkeitstag und der Beziehung Israel - Deutschland.

Es war ein toller Tag mit viel Information. Ein paar Bilder der Synagoge habe ich allerdings nur von außen. Dass man in den Räumlichkeiten nicht fotografieren sollte, ist selbstverständlich.

Wer mir zu diesem Thema etwas schreiben möchte, darf mir wie immer mir ein E-Mail schicken.

Zum Samstagskaffee wollte ich noch ein Buch vorstellen, aktuell zum Thema, da das aber auch recht umfangreich wird, verschiebe ich dieses Buch auf einer der nächsten Samstagskaffees.

Was ich aber noch empfehlen möchte, ist der Film

"Die verlorene Zeit"

Die Geschichte einer Jüdin und eines Polen, die aus dem Lager Ausschwitz entkommen, sich aus den Augen verlieren und sich nach 30 Jahren wieder treffen. Berührend und 
beklemmend zugleich. Sehr empfehlenswert.

http://www.movienetfilm.de/zeit/

Ich wünsche Euch einen schönen Tag, heute habe ich eine Gruppe Nordic Walker vom Husarenhof in Bietigheim zum
Hessigheimer Felsengarten zu führen. Das sind insgesamt
16 Kilometer, allerdings mit Steigungen. Ich hatte den Kurs ausgeschrieben und so  kamen auch 12 Teilnehmer zusammen. 
Wer hier in der Gegend wohnt und auch mal mit Walken möchte, ist herzlich eingeladen. 

Nähere Infos gibt es per Mail oder auch Telefon im Impressum. Ich rufe zurück. 

Von den Felsengärten hat man einen wunderbaren Blick auf den Neckar und das Umland. 



Wer sich für so eine Tour interessiert, hier haben wir sie schon mal im Sommer gemacht. 

http://rundumludwigsburg.blogspot.de/2015/07/wanderung-in-die-hessigheimer.html 

Kommentare

  1. Liebe Eva, ich höre gerade die wunderschöne Musik. Schon aus diesem Grund freue ich mich, dass ich zuerst bei Dir geschaut habe. Du hast einen interessanten Post geschrieben. Vieles davon hatte ich auch schon gelesen oder davon gehört. Aber von einem Rabbi einmal alles erklärt zu bekommen, ist doch etwas ganz anderes. Schade ist, dass Du kein Foto von der Synagoge gezeigt hast. Es hätte mich interessiert. Das Fenster und die eine Wand finde ich schon mal sehr schön. Froh bin ich nur, dass ich nicht für eine jüdische Familie kochen muß. Aber es ist sicher so, wie Du es schreibst: wenn man damit aufwächst, ist das kein Problem. Die Musik ist zu Ende. Ich sage 'danke und tschüss' oder höre ich noch einmal...? Liebe Grüße Edith

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    1. Liebe Edith,
      das Gebäude kann du hier ansehen, es lohnen sich aber nur bestimmte Teile, sonst ist es absolut nicht schön und innen in der Synagoge darf man nicht fotografieren.
      Aber es ist richtig, etwas von einem Rabbi erklärt zu bekommen ist etwas ganz anderes.

      Lieben Gruß Eva

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  2. Interessant, einen solchen Post hier bei dir zu finden.
    In die hiesige Synagoge kommt man nur nach gründlicher Kontrolle durch Polizisten, das ist schon sehr komisch, denn sonst hat man ja immer freien Zugang zu religiösen Stätten. Wir haben hier auch schon auf dem jüdischen Friedhof auch schon eine Führung durch Leichenhaus und Trauerhalle mitgemacht und über die Riten rund um den Tod viel erfahren. Das finde ich immer sehr spannend, wie es anderswo gehandhabt wird...
    LG
    Astrid

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    1. Astrid, warum, hast du mir das nicht zugetraut? :-))
      Da kommt noch mehr.

      Es war eine Führung der hiesigen Volkshochschule und in das Gebäude kommt man auch nur mit speziellen Ausweisen und bei einer Führung mit Voranmeldung nur mit dem Personalausweis rein.
      Lieben Gruß Eva und danke für deinen Kommentar.

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  3. Ein wirklich interessanter Beitrag, Eva! Dass dir der Kopf geschwirrt hat, kann ich gut verstehen - so viele Informationen. Aber sehr interessant.

    Ich mag gern bei dir zu Besuch sein, da fallen mir liebe Kommentare geradezu in den Schoß ...
    Die Schreibmaschine ist wirklich eine Augenweide, ich hab das knipsen auch genossen.
    Die Grippe ist endlich Geschichte, lieb von dir, dass du fragst!

    Dein Beitrag zum SchwarzWeissBlick gefällt mir sehr, vielen Dank für's Verlinken!

    Liebe Grüße ... Frauke

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  4. Liebe Eva,
    vor zwei Jahren waren wir in der Jüdischen Synagoge in Berlin.
    Ohne Führung zwar, aber es war auch so genügend Input. Eindrücke ohne Ende.
    Irgendwann habe ich abgeschaltet und bin nur noch nach oben unter die Kuppel.
    Wenn man damit nicht aufgewachsen ist, sind die Regeln schon ein wenig kompliziert.
    Aber interessant ist es allemal.
    Dir einen schönen Tag und liebe Grüße
    Nicole

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  5. Hallo Eva!
    Ich war auch einmal im Inneren einer Synagoge und positiv überrascht, es war freundlich und hell!
    Leider habe ich noch an keinem Gotttesdienst teilgenommen, aber wenn dieser auch so lange dauert?
    Nun ja, vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit.
    Die ganzen jüdischen Regeln, rund um´s Essen und in Zusammenhang mit Ritualen an den Feiertagen,
    scheinen nicht sehr einfach zu sein?(jedenfalls für Christen nicht)
    Die Musik scheint mir ein bischen schwer und beladen zu sein, aber das ist (wie fast alles im Leben) reine
    Geschmackssache, so einen 6-minütigen Beitrag höre ich mir aber gerne an.
    Vielen Dank für deinen Beitrag, das Mahnmal vor der Synagoge erinnert an die unrühmliche Zeit der deutschen Geschichte und deshalb gibt es ja auch leider das alte Gotteshaus nicht mehr.
    Durfte man im Innern nicht fotografieren, ein paar Fotos davon wären sehr informativ gewesen?
    Die geretteten Steintafeln hätten ebenso mein Interesse gefunden?
    LG Heidi

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    1. Nein Heidi,
      man durfte drin nicht fotografieren, es war auch eine ganz besondere Stimmung. Ja, das ist für uns Christen nicht einfach, aber wer damit aufgewachsen ist. Das ist aber mit jeder Religion so.
      Der Islam ist vielen auch fremd.
      Lieben Gruß Eva
      die jede Religion akzeptiert.

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  6. Sehr interessant! Wir haben in Israel mal zwei Wochen bei einer jüdischen Familie gelebt, da hatten wir uns ans koschere Essen schnell gewöhnt ;-), vor allem auch an die vielen Früchte... Lieben Gruß Ghislana

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