Hoffmanns Erzählungen in Stuttgart

An der Stuttgarter Staatsoper habe ich mir am Sonntag 
10.April 2016 diese
phantastische Oper von Jacques Offenbach angeschaut.
Die Premiere dieser absolut genialen Inszenierung war am 19. März 2016 in Stuttgart.



 
Ja, es war phantastisch, wenn auch etwas skuril und auch surreal. Die Regisseurin Anna Viebrock hat die Oper in die 1920er Jahre versetzt und statt Luthers Weinstube hat sie
sich den Madrider Künstlerclub "Circula des bellas Artes"
herausgesucht. Ich fand es mal etwas ganz anderes.
Christoph Marthaler hat eine ausgezeichnete Regie geführt und es war schon alles ein wenig melancholisch.

Der Vorhang geht auf und wir sehen eine splitternackte Frau auf einem Podest und drei Männer an Staffeleien, die auf einem Block wohl skizzieren. Dann führt ein etwas verrückter Mann im weißen Kittel eine Besuchergruppe durch den Raum. Die Besuchergruppe ist der Staatsopernchor der sich dann hinten auf Besucherstühlen fallen lässt. 

Dieser Mann im weißen Kittel trägt dann menschliche Gliedmaßen durch den Raum, welche sich später zur Puppe Olympia entwickeln, die aus einem runden Badeofen mit Temperaturanzeige entsteigt. Olympia gesungen von 
Ana Durlovski ist derart schön und es stimmt jeder Ton. Es ist wunderbar.  

Der Mann im weißen Kittel ist Spalanzani, der von 
Graham F. Valentine gesungen wird, das hätte nicht unbedingt sein müssen. Komisch etwas. Aber man kann ja nicht alles haben. 

Herausragend ist Sophie Marilley, die mit großer Inbrunst und Können die Muse von Hoffmann singt und spielt. 

Der Sessel steht links auf der Bühne mir fast gegenüber und da sitzt Er dann in Lederjacke, Sonnenbrille und mit viel Grimm und merkwürdigen Grimassen schneidend der böse, böse Lindorf, Coppelius, Mirakel und der Dapertutto gespielt und gesungen von Alex Esposito. Mein Gott, das ist ein wunderbarer Bariton, er bekam auch jede Menge Beifall.

Thorsten Hoffmann er spielt und singt  Andres, Cochenille, Franz, Pitichinaccio und reicht den Aktmodellen, die in gewissen Abständen wechseln, Tüchlein damit sie den
Schweiß abwischen können. 
Dann kommt der Titelheld im weißen Bademantel und seine Augenlieder zucken merkwürdig. Naja, irgendwie scheint alles ein wenig verrückt zu sein. Eben surreal!  

Es zaubert einem ein Lachen auf den Mund, denn die Kellner mit den Tabletts verrenken sich fallen hin und die Gläser bleiben auf den Tabletts, eben alles wie beschreiben surreal.
Nicht wirklich!

Verrückt auch deshalb weil sich die Kellner und die Aktmodelle und noch viele anderen, ineinander verrenken. Man muß es gesehen haben, da muß man erst mal drauf kommen.
Alles sind irgendwie verrückt. 

Und wenn Hoffmann, großartig gesungen und gespielt von 
Eric CutlerSchlemihl (Eric Ander) die Weinflasche auf dem Kopf zerschlägt und dieser dann seine ewige Ruhe im Billardtisch findet, dann ist die Welt schon wieder verrückt. 

Der Staatsopernchor wieder hervorragend nett. Frauen mit Bärten (ist ja jetzt gerade modern) Batman war auch dabei und ein Mann, der einen Brautschleier trägt, durfte auch nicht fehlen. Das sind Spielereien, die 
Anna Viebrock wohl mag. Und es ist etwas anderes und schon wieder verrückt. 

Alles in allem ein sehr schöner Abend, wieder mit Blick in den Orchestergraben. Der war an diesem Abend nicht nötig, denn Langeweile kam nicht auf, dazu war auf der Bühne zu viel los und zu viel sehen.

Selbst meine Freundin mit Mann, die ebenfalls die Oper anschauten und so gar keine Opernfans sind, waren begeistert. 

Das Stuttgarter Staatsopernorchester, das mich wohl so langsam kennt, denn manche Musiker grüßen mich bereits, spielte gut unter der Leitung von Sylvain Cambreling.  

Ein wunderbarer Abend, der leider einen nicht so wunderschönen Abschluß fand. Aber das erzähle ich dann am Samstag ziemlich kurz. 


Wer die Handlung der Oper nicht kennt, findet sie hier

Und Bilder und nähere Informationen zur Oper gibt es hier.


Mein Abend hat sich wieder einmal gelohnt und ich wurde 
wie beim Ballett um ein Vielfaches für die merkwürdige Carmen entschädigt. 
        

Mein Beitrag mal wieder für das Guckloch von Susi. 

Kommentare

  1. Hihi.. als mein GG und ich gerade frisch verliebt waren, haben wir uns "Hair" (ja, ich weiß, was ganz anderes und dort muss es so sein!) angeschaut. Als der Vorhang aufging waren alle splitternackt. Du hättest mal sein Gesicht sehen sollen, Eva! Danke für die Erinnerung ;)) Das hört sich wirklich nach einem wundervollen, amüsanten Abend ;)) wie schön!! Bis auf das Ende anscheinend.. ????
    Ganz liebe Grüße und einen schönen Tag, Nicole

    P.s. Mein Kleiner hat sich sehr gefreut ;)) und ich soll "Dankeschön" sagen ;))

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  2. Ein nicht so schöner Abschluss? Schade.
    Klingt schon ziemlich verrückt das Stück, aber wenn du begeistert warst, dann haben sie ja alles richtig gemacht.
    Liebe Grüße
    Jutta

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  3. Hallo Eva,
    den Blick in die Vergangenheit findet man eigentlich nur, wenn man sich das kleine Video anschaut und auch dann noch, bleibt es eine gespielte Vergangenheit, nur so eben, wie sie eben hätte sein können. Die Uraufführug von Hoffmans Erzählung war 1881 in Paris, deshalb werde ich den Beitrag auch verlinken. Wenn man um die Handlung weiß, dann kann man sich, dank deiner exakten Schilderung eine gute Vorstellung von dem Stück machen. So wie du es schilderst, wurde dem Zuhörer, sowohl für´s Auge als auch für´s Ohr, sehr viel geboten. Ich bin kein Kunst- , geschweige denn guter Opernkenner und vertraue hier ganz deiner sachkundigen Meinung und freue mich mit dir, über den gelungenen Abend.
    (...jetzt schon ganz neugierig, was du Samstag noch erzählen möchtest)
    LG Heidi

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  4. Liebe Heidi,
    tut mir leid, ich habe mit der Uraufführung die Premiere in Stuttgart gemeint. Es war eine ganz neue Inszenierung, die
    aber total gelungen ist. Das war nicht nur meine Meinung.
    Kritik gibt es überall, ich habe bis auf ganz wenige Sachen keine Kritik zu vermelden.

    Lieben Gruß Eva

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  5. Wenigstens war das Theater für Dich ein schönes Erlebnis, wenn auch der Rest des Abends alles andere als schön war.
    Lieben Gruß
    Katala

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  6. Ah, Sylvain Cambreling habe ich hier auch schon erlebt, der ist gut. Von Anna Viebrock habe ich nur gehört. Wie oft ich HOFFMANNs Erzählungen schon gesehen habe, weiß ich nicht mehr, das erste Mal als Teenie in Bonn. Aber Offenbach als gebürtiger Kölner ist hier halt wichtig. Ist aber auch schöne Musik...
    Gute Nacht!
    Astrud

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