Franziska von Hohenheim


Franziska von Hohenheim

1748 - 1811

Bild: J.F. Weckerlin zugeschrieben
Quelle: Landesmedienzentrum BW/Stuttgart
Franziska von Hohenheim wächst unter sehr bescheidenen Verhältnissen mit vier Schwestern zusammen auf.
Sie erlebt eine ländliche Kindheit, lernte ein wenig Lesen, Schreiben, etwas Malen und ein wenig Klavierspielen.

 Schloß Hohenheim

Sie war aber eine äußerst gescheite Frau und hat mit viel Eifer und Geschick die Lücken ihrer Bildung ausgeglichen.
Goethe und Lavater waren von ihr so entzückt, dass sie ihre Freundschaft suchten. 

Hier hatte ich noch keine Weitwinkelobjektiv (ich hätte wohl das ganze Schloß auf das Foto bekommen), das wurde mir aber an diesem Tage von einem Kollegen empfohlen und ich habe mir am nächsten Tage eines gekauft. 



In Sindlingen im Gäu, im Schloß ihrer Vorfahren verlebt sie ihre Kindheit. Hat als Land- und Gutsfrau gelebt. Das vererbte Gut hat sie bearbeitet und die kleine Kapelle renovieren lassen. 


Hier lebte sie dann auch in den letzten Jahren ihrer Witwenschaft zusammen mit den Pietisten, die unter ihrem Schutz ihrer Religion nachgehen konnten. Sie war eine Schülerin von Johann Michael Hahn, des Gründers der Hahnschen Brüder und bot ihm im katholischen Württemberg Schutz.


Ihre Vorfahren kamen aus der Steiermark, Protestanten, die in der Gegenreformation ihr Land verlassen mußten und die mit dem Rest des Vermögens kleine Ländereien in Schwaben gekauft hatten.  

Andreas Freiherr von Bernerdin zu Pernthurn hatte 1640 von Herzog Eberhard III von Württemberg, Schloß Sindlingen gekauft. Und sein Nachkomme Ludwig Wilhelm von Bernerdin, Herr auf Sindlingen, heiratete Johanna von Vohenstein zu Adelmannsfelden, die Mutter Franziskas. 

Die Jägerallee
Als typisch barockes Gestaltungselement symbolisiert diese Allee (sie hat auch einen Namen, den verrate ich aber noch nicht) den Machtanspruch des Monarchen, indem sie ausstrahlend vom Schloß, das Umland gliedert und beherrscht. 
Die Pappeln in dieser Allee sind 200 Jahr alt, die streng beschnitten wurden und deshalb heute das Aussehen von Kopfweiden haben.




Dort ist Franziska in Adelmannfelden bei Ellwangen am
10. Januar 1748 geboren und erst später nach Sindlingen gekommen. 



Franziska wurde mit 17 Jahren mit Freiherr Friedrich Wilhelm von Leutrum verheiratet und führt eine konventionelle Ehe.
Sie ist nicht besonders gut und Leutrum wird als zwergenhaft, boshaft und verbittert beschrieben und er ist wohl auch handgreiflich geworden. 

Blick auf die Kirche in Hohenheim-Plieningen. Es gibt auch im Stadtteil Birkach eine Franziska Kirche. 

1769 im Alter von 21 Jahren begegnet Franziska auf der Kurpromenade von Bad Wildbad dem Herzog von Württemberg. Carl Eugen war damals 20 Jahre älter, als sie und hatte schon einiges an Frauen hinter sich. Er sah diese Frau und war begeistert.



Als der Herzog noch jünger war hatte er recht viele Mätressen. Da er soviele hatte und nicht mehr überblicken konnte, welche Damen ihm schon gefällig waren, verfügte er, dass diese Damen zukünftig bei Hofe blaue Schuhe zu tragen hatten. 
Carl Eugen hatte 77 unehelige Söhne und noch heute kann können manche Familien sagen, dass der Vorfahre Carl Eugen war. 



Bei Hofe war es dann immer ganz interessant zu sehen, wenn die Damen die auf der Treppe nach oben gingen, ob sie blauen Schuhe trugen. 





Franziska von Leutrum wird die Mätresse des Herzogs von Württemberg und sie bleibt es auch. So lange war der Herzog noch nie mit einer Frau zusammengeblieben. 
Das Verhältnis wurde so fest, dass Carl Eugen eine Legalisierung versuchte, was sehr schwer war.


Verheiratet war er immer noch mit Friederike von Brandenburg-Bayreuth, die im heimischen Brandenburg lebt. 
Franziska ist ja immer noch auch die Gattin des Barons Leutrum. 

Der Park hat einen wunderschönen See, am Ufer stand ein großes Boot, das fest angebracht war. Dort wurden große Feste gefeiert. 





Man greift zu einer Konstruktion, der Kaiserhof in Wien hilft dabei. 
Franziska bekommt den Rang einer Reichsgräfin von Hohenheim.  Sie wird also die Gräfin von Hohenheim, gibt ihr ein Wappen, als wäre sie mit mit einem Grafen von Hohenheim verheiratet, der gar nicht existiert. 

Somit konnte sie also durch Deutschland reisen, den Herzog begeiten und war immerhin eine Reichsgräfin.

Das Martyrium der Franziska beginnt. Ein adliges Fräulein, das im Gedanken an die protestantische Kirche und dem Pietismus groß geworden ist, mußte dieses Verhältnis wohl als sehr belastend empfinden. Sie war eine Ehebrecherin und durfte nicht mehr zum Abendmahl gehen. 

Franziska war evangelisch, ein Landeskind eine Schwäbin und für die württembergischen Prälaten interessant. So wurde Franziska regelrecht dazu aufgefordert, bei Carl Eugen zu bleiben. 

Durch den Einfluß von Franziska führte Carl Eugen auch nicht mehr das glanzvolle Leben, das er in Ludwigsburg, in Monrepos, in Grafeneck, in Stuttgart usw. geführt hatte. 
Er wurde ein bescheidener Landesvater, ein guter Regent und mit dem Hand zur Landwirtschaft. 

Er baut für Franziska das Schloß Hohenheim, in dessen Park ich mich neulich umgesehen habe. Ein wunderbarer Park mit vielen Mamutbäumen und anderen exotischen Pflanzen und Bäumen. 

Hier habe ich berichtet:
http://rundumludwigsburg.blogspot.de/2016/09/spaziergang-im-park.html 

Als nun die Frau Carl Eugens Friederike von Brandenburg-Bayreuth 1780 stirbt, ist der Weg allerdings noch nicht frei.
Franziska ist ja noch Frau von Leutrum. 1772 wird sie geschieden. Der Herzog ist nun Witwer, aber er ist katholisch und sie evangelisch. 

Franziska vertraut ihrem Tagebuch "Heute sah ich mich am Ziel aller meiner Wünsche" 

Das Ziel: Der Herzog hat sich - zunächst heimlich - mit ihr trauen lassen. 

Auf dem Grabstein deshalb auch der Eintrag:
"Vermählt mit Herzog Karl 1783" ohne Monat und Tag. 

Eine Ratenhochzeit, sie geschah tatsächlich in Raten. Es war eine heimliche Trauung, von der nur die Beteiligten,
der Herzog, die Frau von Hohenheim und die Trauzeugen etwas wußten. 





Am Hof war Franziska nach wie vor Frau von Hohenheim.
Viele Verhandlungen mit dem Kaiser in Wien und vor allem der päpstlichen Kurie in Rom waren nötig, um zu einer kirchenrechtlich gültigen Trauung zu kommen. Endlich erteilte die römische Kirche Dispens und der Kaiser seine Zustimmung.

Am 11. Januar 1785 einen Tag nach Franziskas Geburtstag, sie ist 57 Jahre alt, kommt es zur zweiten Trauung. Ein großes Hoffest folgt und die Veröffentlichung der Trauung. 
Franziska bekommt ein Jahr später von Carl Eugen nicht nur den Rang einer kirchlich angetrauten Gemahlin sondern auch den Rang einer Herzogin. 

Die Tagebücher der Franziska von Hohenheim, sie sind sehr schwer zu lesen, geben Aufschluß darüber, was diese Frau empfand. Carl Eugen las jeden Monat ihre Tagebücher und - er hat vielleicht nicht gemerkt - sie versuchte ihn zu beeinflussen. Er las in diesen Tagebüchern Urteile über sich oder auch Andere, die er sehr zu beherzigen wußte. 

Franziska hat sich immer aus der Politik herausgehalten, das war ihre Tugend. Sie hat nicht protegiert und sie hat sich nie zu Intrigen hinreißen lassen, was damals sehr ungewöhnlich war. 
Auch verstand sie den Jähzorn des Herzogs zu lenken. 

In ihrem Tagebuch steht:
Diesen Morgen reisete Ihro Duchlaucht ab. Ihro Durchlaucht waren wieder sehr pressiert, und die Humors von Ihro Durchlaucht waren so, wie sie immer sind, wenn Ihro Durchlauch pressiert seind. "

Das heisst:
Es hat geknallt durch alle Räume des Schlosses und Carl Eugen konnte ja sehen, wenn er das gelesen hat, dass er sich in seinem Temperament wieder mal zu sehr hat gehen lassen. 

Franziska zeichnete sich durch eine Wohltätigkeit und Frömmigkeit aus und war eine sehr gute Landesmutter und sehr beliebt im Volk. Auch heute noch ist sie bei der Bevölkerung sehr beliebt. 

Als Carl Eugen 1793 starb mußte Franziska Schloß Hohenheim verlassen. Im Januar 1795 bezog sie Schloß Kirchheim. Den Sommer verbrachte sie auf Gut Sindlingen und Bächingen an der Brenz. Das versuchte sie zu verkaufen, denn sie war in einer finanziell nicht glücklichen Lage. 

Das Verhältnis zur württembergischen Königsfamilie war und ist immer noch angespannt. Der Württembergische Hof hat sie bislang immer nur als Mätresse angesehen und tut dies auch heute noch. 

Am 31. Dezember 1811 verstarb sie auf Schloß Kirchheim an Unterleibskrebs und wurde in der Kirchheimer Martinskirche beigesetzt. 
Ihr Wunsch an der Seite Carl Eugens in Ludwigsburg beigesetzt zu werden wurde ihr verwehrt. Bis heute!

Vom Schloß und vom Garten zeige ich hier immer wieder zwischen den Zeilen Bilder dieses wundervollen Schlosses. 
Vor allem der Garten ist interessant und wird auch für die Universität Hohenheim genutzt. 

Das Schloss Hohenheim liegt im Stuttgarter Stadteil Hohenheim und wurde zwischen 1772 und 1793 vom württembergischen Herzog Carl Eugen für seine spätere Frau Franziska Leutrum von Ertingen erbaut.

Der Architekt war Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer, der
ein bedeutender Architekt des schwäbischen Klassizismus war, war Architekt diese Schlosses.

Das Schloß Hohenheim wird heute hauptsächlich von der Universität Hohenheim genutzt. Dort ist auch die Staatsschule für Gartenbau und Landwirtschaft untergebracht. 

In der Speisemeisterei, die im Kavaliersbau untergebracht ist, besteht seit 1918 eine Mensa mit diesem Namen. 

Hier hat meine Schwester im Jahr 1965 geheiratet. Eine sehr schöne Umgebung und ein sehr gutes Restaurant. Man speist hervorragend, empfehlenswert.


Wer sich für das Schloß interessiert schaut hier.


Quelle:
Frauen im Hause Württemberg von
Hansmartin Decker-Hauff

Susanne Dieterich:
Mätressen in Baden-Württemberg

Seid gespannt, im Laufe der Zeit werde ich Euch noch einiges über Frauen in Württemberg berichten. Nicht nur
über Königinnen, sondern auch über bescheidene und großartige Frauen. 

Mein Beitrag geht heute an den Naturdonnerstag bei Jutta, weil es sich um einen Park handelt.  



Musik aus dieser Zeit von Georg Friedrich Händel. Ein deutscher Komponist, der  nach England ging und dort ein großes Musikwerk schrieb. 
Unter anderem die Feuerwerksmusik. In Booten saß das Orchester und man fuhr auf der Themse, hörte Musik und sah ein Feuerwerk. Schöne Vorstellung. 


Kommentare

  1. Also ich glaube ich werde jetzt jedes Mal wenn ich blaue Schuhe trage an deinen Post erinnert *gg* Schon interessant wie es damals so in den Häusern zugegangen ist. Ich möchte mal behaupten es war teilweise noch "schlimmer" als heute, und Hefner war nicht der erste bekannte Playboy ;-)

    Wünsche dir noch einen schönen Tag und sende viele Grüsse

    N☼va

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  2. Liebe Eva,
    vielen Dank für deinen so ausführlichen Post, den du mit viel Feingefühl zusammengestellt hast!
    Sehr interessant und inhaltsvoll, ergänzend im Wissen, was ich noch nicht hatte!
    Ich finde es toll, dass du über Frauen in Württemberg berichtest!
    Sei ganz lieb gegrüßt
    von Monika*

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  3. Wiedermal ein eindrucksvoller Post mit schönen Natur-Aufnahmen dazwischen.
    Danke, dass du ihn zum "DND" verlinkt hast, hat mich gefreut :-)
    ♥lichst Jutta

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  4. Tolle Naturaufnahmen und ein interessanter Bericht, liebe Eva!
    Danke dafür

    liebgrüßt
    Martina

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  5. Great photos. A beautiful castle and the allee is amazing with its old trees!!!

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  6. Hallo Eva,
    genau heute muss mein Internet spinnen, aber jetzt bin ich da, war schon so neugierig.
    Eine wirklich interessante Persönlichkeit und nein ich hatte vorher noch nichts von ihr gehört. Was für eine Geschichte mit diesen blauen Schuhen, auf was die Leute alles so kommen und in so einen verliebt sie sich. Tja das Herz macht wohl was es will.
    Das Du noch weitere Frauen vorstellen wirst finde ich sehr schön!

    Übrigens Lavater? Zum ersten Mal bei Dir gehört, verläßt mich jetzt gleich mein Internet wieder, werde ich mich darüber morgen schlau machen.
    Liebe Grüße und einen schönen sonnigen Tag (den ich jetzt auch genießen werde, draußen im Garten ohne Computer)

    Kirsi

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  7. Liebe Eva,
    was für ein wunderbarer, historischer Ausflug, Danke fürs Mitnehmen.
    Da hast Du wirklich viel Interessantes zusammengetragen und einem dadurch einen besonderen Blick auf die herrliche Natur ermöglicht.
    Liebe Gruß
    moni
    http://www.reflexionblog.de

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  8. Ja Hohenheim ist immer einen Besuch wert.

    Grüße Ramgad

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  9. Toller Post Eva, spannend mit wunderschönen Bildern. Auch im Kopf ;) Jetzt werde ich wohl nie mehr blaue Schuhe tragen können ohne daran zu denken :)
    liebe Grüße Tina

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  10. Ich kann auch nur bewundernd schreiben; ein ganz wundervoller Post den ich sehr gerne gelesen, etwas dabei gelernt und natürlich geschaut habe. So sage ich nun DANKE und lasse liebe Grüße zurück, herzlichst Celine

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  11. Hallo Eva,
    ...war schön zu lesen und interessant und das mit den blauen Schuhen...haha, ob da geschummelt wurde?
    LG Heidi

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  12. Liebe Eva
    Diese Biographie war sehr spannend zu lesen. Ich finde es überhaupt interessant, wie die Menschen früher gelebt haben. Fridericke hatte wohl wirklich kein sehr einfaches Leben, wenn man die Zeit berücksichtigt. Heutzutage wären dies alles keine Probleme.
    Ja diese blauen Schuhe..., da werde ich wohl immer mal wieder Kopfkino haben... ;-D
    Ich freue mich schon auf dein nächstes Porträt.
    lg Gabriele ☼

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  13. Welch ein schöner Bericht, liebe Eva. Vielen Dank für die interessanten Einblick in das Leben und Wirken von Franziska von Hohenheim und vielen Dank für deine tollen Bilder von Schloss und Park. ♥
    Herzensgrüße und hab einen schönen Sonntagabend
    Anni

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