Sor Juana de la Cruz

Dieser Post enthält vielleicht Werbung, das Buch bekam ich zu Weihnachten von mir selbst geschenkt. 




 Heute stelle ich dir die Dichterin

Sor Juana Ines de la Cruz

vor. 

Nichts freieres gibt es auf Erden
als unseren menschlichen Geist;
soll ich ihn zügeln, wenn selbst Gott 
ihn nicht in die Schranken weist?" 

Bei den Stuttgarter Buchwochen, bei denen dieses Jahr Spanien Gastland war, lerne ich diese einzigartige mexikanische 
Dichterin, Nonne und Gelehrte kennen. 



Das Buch 

Nichts freieres gibt es auf Erden






 wurde bei einer Lesung bei den Stuttgarter Buchwochen, wie auch die Dichterin selbst, vorgestellt. 

Sor Juana Ines de la Cruz wurde als Juana Ines Ramirez de Asbaje entweder 1648 oder 1651 geboren. 
Ihr Biograph und Zeitgenosse Diego Calleja gibt das letztere Datum an. 

Als ersteres geht es auf eine Taufurkunde zurück, die 1952 gefunden wurde. 

Die Umgebung, in der sie geboren wurde, war das  Vizekönigreich Neuspanien

 (1535-1821).

Das Vizekönigreich Neuspanien war das erste der fünf bzw. vier administrativen Verwaltungsgebiete Spaniens in Lateinamerika, dem jeweils ein Vizekönig vorstand.
 

Ihre ersten Lebensjahre verbrachte Juana auf einem Hof an den Hängen des Popocatépetl, dessen Name  

Nepantla =  nahuatl (die Sprache der Azteken) für "dazwischen, in der Mitte von" - seine Lage beschreibt. 

Zur Zeit ihrer Geburt hatte Juana bereits zwei Schwestern. Alle drei Mädchen waren uneheliche Töchter eines 
Petro Manuel de Asbaje, über den nicht mehr bekannt ist.
Ausser, dass er ohne Vermögen und baskischer Herkunft war. 

Er verschwand und die Umstände seines Verschwindens liegen im Dunkeln. Die Familie Ramirez bemühte sich aber sehr, die Umstände zu verschleiern. 

Nach dem Verschwinden von Asbaje verließen die Ramirez schließlich Nepantla. Juana übersiedelte mit ca. 4 Jahren zu ihrem Großvater auf das Gut Panoaya. 
Großvater Ramirez war in Juanas Universum wohl der eigentliche Vater und seiner Linie hielt sie stets die Treue. Entgegen der Gepflogenheit, den Vaternamen als ersten Nachnamen zu führen, sollte sie bis zu ihrem Eintritt ins Kloster mit Dona Juana Ramirez de Asbaje unterschreiben. 

Im 20. Jahrhundert erst kam ans Tageslicht, dass Juana unehelich geboren wurde. 

 Juana war überdurchschnittlich intelligent und lernte im Alter von drei Jahren schon lesen, ihr Wissensdran war unerschöpflich und sie verfasste im Alter von sieben bzw. acht Jahren schon Verse. Ihre Mutter schickte sie in die Stadt und dort fand die Vizekönigin an Juana Gefallen. 
Juanas Aufstieg am Hof war märchenhaft und weist das Herrscherpaar 

Antonio Sebastian de Toledo und Leonor Carreto, die Marqueses de Mancera, als ungewöhnliche Persönlichkeiten aus. 

Leonor Carreto entdeckte Juanas Fähigkeiten und förderte sie. Alle Weichen für das Werden der späteren Dichterin und Gelehrten sollten von jener Königin gestellt werden, über die so wenig bekannt ist.


Um sich mehr Wissen anzueignen und um studieren zu können trat sie 1667 als Postulantin bei den Karmeliterinnen ein. Aber schon drei Monate später war sie zurück, krank, verzweifelt. Die strengen Ordensregeln hatten ihre Kräfte überstiegen. 

Allerdings legte sie dann im Orden des heiligen Hieronymus ihre Gelübte ab, in einer jener feierlichen Zeremonien, die die Vermählung der Bräute Christi bis heute begleiten. 


Selbst heute ist es nach Ablegung dieser Gelübte für Nonnen sehr schwierig, ihre Entscheidung zu irgendeinem Zeitpunkt zu revidieren.  Zu Juanas Zeit war es unmöglich, der Schritt war endgültig. Ihre materiale Lage im Kloster war komfortabel und ihre Zukunft gesichert. Aber es war eine Zukunft, die sich hinter Mauern abspielte. 

In einem Sonett sinniert sie darüber nach, was ein Mensch nicht alles tun könnte, mit seinem Leben, wenn er nur mit unendlich großem Mut gesegnet wäre. 

Ein interessantes Leben tut sich hier auf. 
Sor Juana de La Cruz war fasziniert von Naturwissenschaften. Da die entsprechenden Bücher verboten waren, und auch ihre Gesprächpartner wenig Kenntnis von der Moderne hatten, hatte sie keine Möglicheit, die bahnbrechenden Errungenschaften Keplers, Galileis und Newtons zu studieren. 


Es ist ein interessanter Lebenslauf. Eine Frau um dieses Zeit mit dieser Intelligenz, dem Wissen und auch Ergeiz.

Sie greift die doppelte Moral der Menschen und der Kirche in Mexico an:

"Wer hat hier mehr Schuld; die, die des Geldes wegen sündigt, oder der, der für die Sünde bezahlt." 

Die letzten drei Jahre von Sor Juana sind geprägt von der
Angst vor dem misogynen Erzbischof und der Inquisition.
Aquiar y Seijas sorgt für die Verschärfung der Klosterregeln in Santa Paula und erteilt der dichtenden Nonne Berufsverbot und denkt sich eine Reihe von ähnlichen Repressalien aus. 

Eine Reihe von Naturkatastrophen brechen über Mexico herein, die sich zu einer Apocalypse entwickeln und den Sturz der Dichterin beschleunigen. Hier wächst wieder einmal die Macht der katholischen Kirche. 

Sor Juana sieht sich in die Isolation getrieben und gibt dem Bischof das Kostbarste, was sie hat, ihre gesamte Bibliothek. 




1694, ein Jahr vor ihrem Tod zieht sie in eine asketisch, karge Zelle. Hier verfasst sie ein ganz berühmtes Schriftstück.

Den feierlichen Verzicht auf das Studieren und Schreiben und das Versprechen, sich „auf den Weg der Vollkommenheit zu begeben“, unterschrieben mit ihrem eigenen Blut und den Worten: „ich – die Unwürdigste der Welt.“ Welch ein erschütterndes Dokument des intellektuellen Selbstmords der „Zehnten Muse Mexikos“!

Man kann es kaum fassen, aber diese Dichterin, der bis vor ein paar Jahren das ganze Land gehuldigt hat, wurde von Angst und Einsamkeit in die Enge getrieben, um so gebrochen zu werden. 

Am 17.04.1695 stirbt sie an der Pest und wird im
Kloster Santa Paula in ein Massengrab geworfen. 

Sor Juana de la Cruz gilt als die bedeutendeste Dichterin des mexikanischen Barock. Ihre Prosatexte sowie ihr Gedicht "Der Traum" liegen seit vielen Jahrzehnten in deutschen Versionen vor. 

Dieses Buch habe ich mir zu Weihnachen selbst geschenkt und ich bin von den Gedichten, die Heidi König-Porstner ins Deutsche übertragen hat, mehr als begeistert.
Es ist nicht einfach einen spanischen Text zu übersetzen, aber Heidi König-Porstner ist es wohl gelungen.
Ich selbst spreche kein spanisch, aber um auch mal den Unterschied zu hören, wurden manche Gedichte auch im Spanischen gelesen. Grandios!

Sor Juana de la Cruz wird auch oft als "erste Feministin" geschrieben.
Die Gedichte bestechen durch ihre Musikalität und durch Juanas pointierte, oft sehr modern anmutende Sprache. 
Wer Gedichte mag, wird hier eine Kostbarkeit finden.

Die wundervollen Illustrationen sind von Anna Rastl. 

Erschienen ist das Buch im 
Verlag Claudia Gehrke und kostet 15 Euro, die sich lohnen. 




Kommentare

  1. Toll, dass du diese Frau hier vorgestellt hast!
    LG
    Astrid

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  2. eine sehr interessante Frau
    ungewöhnlich für die damalige Zeit
    da hast du dir ein schönes Geschenk gemacht
    liebe Grüße
    Rosi

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  3. Liebe Eva,
    Danke für diese ausführliche Vorstellung einer außergewöhnlichen Frau.
    Ein gewiss sehr lesenswertes Buch!
    Liebe Grüße
    moni

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  4. Traurige Geschichte, aber sehr interessante Gedichte. Vielen lieben Dank, dass Du dieses Jahr bei meinem Projekt mitgemacht hast und ich hoffe, dass wir auch nächstes Jahr noch einige immer sehr aufschlussreiche und interessante Beiträge von Dir bekommen.
    LG und einen guten Übergang ins neue Jahr
    Patrizia

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    1. Ich denke schon Patrica, dass ich noch einige Bücher, die man nicht so kennt, vorstellen werde. Aber da brauche ich dann etwas Zeit aber mit Sicherheit bin ich dabei.
      Lieben Dank und Gruß Eva

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  5. Sehr interessant, liebe Eva. Mir war sie unbekannt.

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  6. Der einzige Trost bei dieser traurigen Schilderung ist,
    das diese Frau mit ihrer Geschichte/Gedichte nicht in Vergessenheit geraten ist.
    LG Heidi

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  7. Man sollte sich auch selbst was gönnen wenn es einen interessiert und man gefallen daran hat. Ich kannte sie noch nicht, aber mal sehen...wer weiß ob ich im Lager bei den hunderten von Büchern vielleicht noch dieses Exemplar finde^^ So gab es ja doch viele Frauen in den alten Jahrhunderten die sehr unter Kirche sowie Regierung zu leiden hatten und in die Knie gezwungen wurden. Schön wenn sie nicht in Vergessenheit geraten.

    Saludos

    N☼va

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    1. Das Buch ist ganz neu auf dem Buchmarkt, ich denke mal, das wirst du wohl nicht finden, es wird auch nur auf diesem einen Verlag "Konkursverlag" herausgegeben.
      Den Namen des Verlages fand ich auch irgendwie komisch, hat aber nichts mit dem
      Konkurs zu tun. Erschienen ist es im September 2017

      Lieben Gruß Eva

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  8. Liebe Eva, da hast du dir ein wunderbares Weihnachtsgeschenk gemacht! Die Geschichte dieser Ordensschwester ist leider sehr traurig, aber auch sehr interessant! Ich denke, darin kannst du immer wieder lesen.
    Für das kommende Jahr wünsche ich dir alles Gute und viel Glück.
    Liebe Grüsse
    Esther

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